So ganz genau weiß ich es nicht mehr, aber es muss 1977 oder 1978 gewesen sein als ich das erste Mal mit meinem Vater zum Osterfeuer der Kölner Poorte in Attendorn gegangen bin. In den ersten Jahren stand für uns kleine Bürkel gar nicht das
Osterbrauchtum im Vordergrund, sondern die ungezwungenen Freiheiten die das bunte Treiben auf dem Osterkopp mit sich brachte. Es wurde ausgiebig im Wäldchen unterhalb vom Osterkopp gespielt als auch Unsinn getrieben und wir fieberten ungeduldig dem Osterfeuer und dem Fackelschwenken entgegen.
Zu Grundschul- und Meßdiener Zeiten wurde das Osterbrauchtum dann schon viel bewußter wahrgenommen, so galt es doch erste Aufgaben im Attendorner Brauchtumsgefüge zu übernehmen. Mit der Ratsche in der Hand ging es mehrfach um den Sauerländer Dom und später durften wir Sonntagabends dort das Feuer zum Entzünden des Osterkreuzes abholen. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir in diesem Zusammenhang Pastor Klinkhammer, der uns Meßdienern vor dem Semmelsegnen eindrucksvoll zeigte wie die Kohlen im Weihrauchschwenker nach alter Väter Sitte so richtig zum Glühen gebracht werden. Locker aus dem Handgelenk wurde das antike Gerät 5 Minuten neben dem Körper wie ein Propeller rasant im Kreis geschwungen, bis die Sakristei in dichten Weihrauchnebel gehüllt war.
Als Jugendlicher ging es dann so richtig los mit dem Holzstellen, etwas später durfen wir dann Sonntags beim Aufstellen mit unters Kreuz. Die Wochenenden vor Ostern waren von nun automatisch gesetzt, ohne das darüber gesprochen wurde. Sehr wahrscheinlich hätte ich mir nie Gedanken über das ganze Osterbrauchtum gemacht, schließlich sind Attendorn und Osterfeuer untrennbar miteinander verbunden.
Das alles änderte sich dann ab dem Spätsommer 1997, ich bin zu meiner damaligen Freundin und heutigen Ehefrau nach Engelskirchen gezogen. Beruflich und Privat verlagerte sich dann über die Jahre der Lebensalltag ins Oberbergische. Ob Karneval oder Tanz in Mai, auch die Rheinländer wissen die Feste feucht und fröhlich zu feiern. Die starke Bindung zu den Attendorner Traditionen und Brauchtümern wurde immer rissiger und nach 15 Jahren war klar, das der Abschied von der Heimatstadt von Dauer sein würde.
Dennoch wurde ich Jahr für Jahr zu Ostern von einer unsichtbaren Hand nach Attendorn gezogen. In den ersten Jahren wurde am Osterwochenende die Familie besucht und bei der Gelegenheit ging es dann halt auch in den Berg. Nach einigen Jahren als Karsamstags- und Ostersonntags Pörtner wurde mir bewußt das da etwas fehlte. Sehr zur Freude meines Vaters wurde von jetzt an wieder das komplette Ostervorprogramm absolviert. Nun war mir auch klar was die Faszination Osterbrauchtum ausmacht, es ist das gemeinsame Arbeiten der Poskebrüder in den Wochen vor dem Ostersontag. Jung und Alt arbeiten Hand in Hand beim Bürden binden oder Dickholz stellen, es werden Dönekes und Vertellekes erzählt. Der Umgang untereinander ist freundschaftlich, direkt und ungefiltert. So manch einem sitzt der Schalk oder ein twiärser Kobold im Nacken und doch wird immer zielstrebig auf das GUET FÜER hingearbeitet.
Diese besondere Stimmung in den Wochen vor Ostern hat über die Jahre auch meine beiden Söhne fest in ihren Bann gezogen: Kölner Poorte - Beste Poorte - hoi - hoi - hoi ... und ich musste gar nichts dafür tun !
Die schönste Phase der Osterzeit beginnt für mich am Karsamstag, sobald ich den Weg nach Attendorn einschwenke. Semmelsegnen, Kreuze schlagen, Vermessen auf dem Marktplatz, Abrücken auf den Osterkopp und abschließend das gemeinsame Wurstessen mit den Poskebrüdern. Dieser Tag ist schon etwas ganz besonderes und und mein persönlicher Höhepunkt in der Osterzeit.
Beim Herrichten und Aufstellen des Osterkreuzes am Ostersonntag kann ich mich dann ganz auf meine Poskebrüder verlassen. Es ist schon lange her das ich das Kreuz selbst mit aufgestellt habe, wir machen uns erst am späten Abend auf den Weg nach Attendorn. Dann ist es ein umso ergreifender Anblick wenn wir zum Fackelschwenken auf dem Osterkopp eintreffen und sich das Poskekrüz in voller Pracht präsentiert.
Für mich ist seit einigen Jahren mittlerweile die Osterprozession zum Sauerländer Dom zum Abschluss der Osterfeierlichkeiten geworden. Der Einmarsch der 4 Lüchten in die Pfarrkirche versinnbildlich letztendlich die Faszination welche das Attendorner Osterbrauchtum auf mich ausübt. Es ist die Kombination aus der gelebten Tradition und den christlichen Werten.